Die Busch Brüder
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Die Busch-Brüder

Die Musiker-Brüder Fritz, Adolf und Hermann Busch, aus einfachen Siegener Verhältnissen stammend - der Vater hatte sich vom Schreiner zum Geigenbauer emporgearbeitet, die Mutter führte ein Geschäft mit Stickereiwaren -, kehrten angesichts von Rassenwahn und der „Aktion christlicher Landsleute gegen deutsche Juden" (Adolf Busch) schon frühzeitig Deutschland den Rücken.

Nach Stationen u.a. in Argentinien, England (legendär seine Mozart-Aufführungen insbesondere der Jahre 1934-1936 in Glyndebourne, dessen musikalischer Gründungsdirektor er war), Dänemark und den USA konzertierte der Dirigent Fritz Busch (1890-1951) erstmals im Februar 1951 wieder in Deutschland. Doch schon am 8. September 1951 endete mit Don Giovanni die Laufbahn des großen Mozart Dirigenten - sechs Tage später starb Fritz Busch in London. Von den musikalischen Interessen her war er ganz Kind seiner Zeit: Sein Einsatz für Komponisten wie Paul Hindemith, Richard Strauss, Hans Pfitzner, Paul Graener und Kurt Weill hat ihn zu einer festen Größe der Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts werden lassen. Nachhaltig war seine Aufbauarbeit der Dresdner Staatsoper in den 1920er- und 30er-Jahren bis zu seiner Vertreibung aus dem Amt im März 1933.

Fritz Busch 1951 in Glyndebourne


Der fonografische Nachlass des Geigers Adolf Busch (1891-1952), der häufig als legitimer Erbe Joseph Joachims charakterisiert wurde, ist überschaubar, wodurch die Wahrnehmung seiner Leistungen noch stärker verzögert war als bei seinem Bruder Fritz. Eine glanzvolle geigerische Karriere des Eldering-Schülers begann mit der Stelle als Konzertmeister im Wiener Konzertvereins-Orchester (den heutigen Wiener Symphonikern) im Alter von 21 Jahren und führte über eine Professur an der Berliner Musikhochschule, die ihm im Alter von 27 Jahren übertragen wurde, zu umfangreicher Konzerttätigkeit - allein im Jahr 1927 spielte er Beethovens Violinkonzert mehr als hundertmal. Seit 1913 war er fast ohne Unterbrechung Streichquartett-Primarius und konzertierte überdies regelmäßig mit den renommiertesten Musikern seiner Zeit (Rudolf Serkin wurde sein Schwiegersohn, zusammen mit Arturo Toscanini gründete er die Musikfestwochen in Luzern). Schließlich war er Mitbegründer der für lange Jahrzehnte hin zentralen Studienstätte der USA, der School of Music in Marlboro. Heute wird Adolf Busch mehr und mehr auch als Schöpfer ausgesprochen hochwertiger Kompositionen entdeckt, die sich langsam auch im internationalen Konzertleben einen Platz erobern. Ein umfangreiches Editionsprojekt der Werke Adolf Buschs wurde kürzlich begonnen (Edition Tonger, Karlsruhe}.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Adolf Busch

Ein weiteres Gründungsmitglied der Marlboro School of Music war Hermann Busch (1897-1975), der nach Solocellisten-Tätigkeit in Bochum und Wien 1927 Dozent an der Essener Folkwang-Schule wurde; 1930 trat er dem Busch-Quartett bei und bildete zusammen mit seinem Bruder Adolf und Rudolf Serkin das Busch/Serkin-Trio; 1954 wurde er Professor an der Universität Miami.

Heinrich Busch (1900-1929) war der einzige der Brüder, der am Leipziger Konservatorium unter anderem bei Max Reger studierte; wie seine Schwester Magdalene (1904-1922) starb er noch vor Vollendung des 30. Lebensjahres.

Heinrich und Hermann Busch

Etwas aus der Art schlug Willi Busch (1893-1951), der - wie seine Schwester Elisabeth (1894-1965) - Schauspieler wurde und von 1919 bis 1947 am Stadttheater Bochum als Interpret der großen klassischen Rollen und als Direktor der Westfälischen Schauspielschule tätig war.

Willi Busch als Faust


Text: Dr. Jürgen Schaarwächter, Max-Reger-Institut, Karlsruhe.
Archivfotos: BrüderBuschArchiv im Max-Reger-Institut.